Eine Frau (26) erzählte mir, dass sie nach langer Arbeitslosigkeit endlich wieder ein Jobangebot bekommen hatte. Die Sache hatte aber den Haken, dass sie jeden Tag 60 km hin und zurück fahren müsste. Außerdem würde sie auch weniger verdienen als zuvor.
Sie litt seit längerem unter Depressionen und nahm auch entsprechende Medikamente ein. Dadurch hatte sich ihr Körper sehr verändert. Sie war aufgedunsen, bewegte sich schwerfällig und kraftlos. Diese Krankheitssymptome verschlimmerten sich, so dass sie glaubte, die Stelle nicht annehmen zu können bzw. nie wieder einen Job ausüben zu können.
Während die Frau mir von diesem Jobangebot erzählte, nahm ich sehr negative Gefühle wahr. Ich fragte also konkreter nach, ob der angebotene Job wirklich ihr Traumjob war. Sie verneinte das. Sie sagte, dass ihre Eltern und auch das Arbeitsamt ihr Druck machen würden, diese Stelle anzunehmen.
Krankheitslotsin: Was würde passieren, wenn Du den Job nicht annehmen würdest?
Ratsuchende: Meine Eltern wären von mir enttäuscht und das Arbeitsamt würde mir das Geld kürzen oder ganz streichen.
Krankheitslotsin: Welchen Job würdest Du Dir wünschen, wenn Du gesund wärst und Dich frei entscheiden könntest?
Ratsuchende: Ich würde gern etwas mit Kindern machen. Aber ich habe ja keine Ausbildung dafür.
Krankheitslotsin: Und wenn Du die Ausbildung hättest?
Ratsuchende: Erzieherin wäre ein schöner Beruf.
Krankheitslotsin: Wie wäre es denn, wenn Du Dich danach erkundigen würdest, wie Du Erzieherin werden könntest?
Ratsuchende: Ich bin doch viel zu alt, um eine Ausbildung anzufangen.
Krankheitslotsin: Wer sagt das?
Ratsuchende: Meine Eltern, mein Freund, einfach alle.
Krankheitslotsin: Und haben die aufgezählten Personen recht?
Ratsuchende: Eigentlich nicht.
Krankheitslotsin: Stell Dir doch einfach einmal vor, Du wärest schon Erzieherin.
Die Ratsuchende beschrieb mir ihren Arbeitsalltag als Erzieherin in aller Ausführlichkeit. Sie strahlte dabei über das ganze Gesicht. Sie war so positiv gestimmt, dass sie sofort anfangen wollte, sich darum zu kümmern. Ich ermutigte sie dazu, in dem ich ihr sagte, dass ich davon überzeugt bin, dass sie es schaffen würde.
Die Ratsuchende sprach als erstes mit dem Arbeitsamt und legte ihre Gründe dar, warum sie die angebotene Stelle ablehnen würde. Sie sagte, dass sie gern eine Ausbildung als Erzieherin machen möchte, da das ihr Traumberuf sei. Sie war so überzeugend, dass das Arbeitsamt und ihre Eltern sie während der Ausbildung finanziell unterstützten.
Ihre Krankheitssymptome verschwanden Stück für Stück.
Leider weiß ich nicht, wie die Geschichte weiter gegangen ist. Aber ich denke, die Ratsuchende wird heute irgendwo als erfolgreiche Erzieherin arbeiten. Der Job wird ihr Spaß machen und sie wird den Kindern ein positives Gefühl für die Zukunft vermitteln. Davon bin ich überzeugt.
Diese Veränderung brauchte etwas mehr Zeit, da die Ratsuchende erst Informationen einholen und mit Eltern und dem Arbeitsamt sprechen musste. Sie holte sich vor jedem Schritt immer wieder mein positives Feedback ab. So dass wir mehrere Gespräche und Mails brauchten, bis sie sich selbst so sicher fühlte, dass sie alleine weiter gehen konnte.