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Diagnose Hashimoto/Schilddrüsenunterfunktion

Mut zum Leben trotz der Diagnose

Diagnose:

Ich bin 37 Jahre alt und weiß seit 3 Jahren, daß ich Hashimoto habe. Wobei, so ganz richtig ist das nicht. Mir wurde zunächst gesagt, ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion. Erst durch mühseliges Nachforschen fand ich selbst heraus, daß ich Hashimoto habe.

Wie wurde Hashimoto bzw. eine Schilddrüsenunterfunktion bei mir entdeckt?

Schon seit frühester Jugend war ich zwar geistig ziemlich rege und fit, aber körperlich nie zu Höchstleistungen imstande. Sport war für mich Mord!
Leider wurde es auch im Erwachsenenalter nicht besser. Mir fehlte einfach der Schwung. Ich wurde als faul betitelt. Ich war nicht faul, ich hatte nur einfach nicht die Kraft und Energie mehr zu leisten als das absolut Notwendige. Selbst das fiel mir schon schwer genug.
Ich lief von Arzt zu Arzt, von Heilpraktiker zu Heilpraktiker. Keiner konnte mir helfen.
Meiner Freundin ging es ähnlich. Nur waren die Symptome bei ihr umgekehrt. Sie wußte vor lauter Energie und Kraft nicht mehr wohin. Auch bei ihr stellten sich dauernd Infekte ein. Sie war genauso oft krank wie ich. Irgendwann ließ sie ihre Schilddrüse untersuchen. Ich dachte mir damals, daß kann auch mir nicht schaden. Also ließ ich mich zu einer Nuklearmedizinerin überweisen. Das Ergebnis war dann eindeutig. Schilddrüsenunterfunktion.

Dosierung:

Total glücklich, daß ich endlich wußte, was ich habe, schmiß ich die Schilddrüsentabletten ein. Damit sollte nun alles besser werden, laut Aussage der Nuklearmedizinerin. Die ersten 3 Monate war das auch so. Ich nahm ab, hatte Energie. Mir ging es richtig gut.
Nach 3 Monaten ging es mir wieder schlecht. Ein Termin bei der Ärztin war nicht sofort zu bekommen, denn ich bin nicht privat versichert. In einem Telefongespräch riet sie mir, die Dosierung zu erhöhen. Das tat ich.
Damit fing die Spirale der Dosierung und Kontrolle der Werte an.
So besteht mein Leben aus Anpassung der Dosierung, Kontrolle der Werte durch den Arzt. Mein Befinden stimmt aber nicht immer mit den Werten überein. So habe ich mir angewöhnt, vor einem Arztbesuch meinen Zustand schriftlich festzuhalten. Nach der Besprechung mit dem Arzt überprüfe ich, ob Werte und Befinden übereinstimmen. Ich entscheide dann selbständig, welche Dosierung für mich die richtige ist.

Auslöser für Hashimoto

Die Krankheit trage ich bestimmt schon mein ganzes Leben mit mir herum. Aber Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre kann ich nicht als Auslöser für mich verbuchen.
Ich nehme an, daß es die Lebensumstellung war. Ich begann Sozialwissenschaften zu studieren und mein sonst so geregeltes Leben kam dadurch völlig aus dem Tritt. Es gab keine festen Stundenpläne mehr. Kommilitonen begegnete ich, wenn ich Glück hatte, im Laufe meines Studiums wieder. Um Sitzplätze mußte ich kämpfen. Pflichtfächer, die ich belegen mußte, standen nicht in ausreichender Anzahl für alle Studierenden zur Verfügung. Zum ersten Mal mußte ich mich völlig allein durchschlagen. Freiheit kann auch belastend sein, wenn man sie nicht gewohnt ist.
Ich schaffte dann meinen Abschluß als Dipl. Sozialwissenschaftlerin in der vorgegebenen Regelstudienzeit, was damals nicht selbstverständlich war.
Aber in ein geregeltes Leben bin ich nie wieder zurück gekommen. Ich schaffe es nicht 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche zu arbeiten.

Hashimoto und Arbeit

An meinem körperlichen Tiefpunkt sagte mir mein Arzt, er könne mich nur noch arbeitsunfähig schreiben. Mit mir ist nichts mehr anzufangen. Und das mit 34 Jahren! Ich war total geschockt. Vom Studium in die Frührente. Das waren ja tolle Aussichten. Wobei ich mit Hashimoto wahrscheinlich wenig Erfolg gehabt hätte, eine Frührente zu bekommen. Betroffene, die es versucht haben, waren bis jetzt nicht erfolgreich. Also dann, vom Studium zum Sozialfall!
Ich wollte mich aber nicht damit abfinden, untätig und ohne selbst verdientes Geld zu Hause herumzusitzen. Also begann ich mir zu überlegen, was ich tun könnte. Ich hatte Glück. Meine Mutter verwaltete und vermietete Häuser. Sie wollte ihre Tätigkeit aufgeben und so übernahm ich das Vermieten und Verwalten. Ich kann selbständig arbeiten und mir meine Zeit einteilen. Wenn ich müde bin oder nicht mehr kann, lege ich mich einfach hin. Mein Büro ist praktischerweise neben meiner Wohnung. Ich brauche also nur eine Tür weitergehen. Zufrieden bin ich damit aber nicht. Dafür habe ich nicht studiert.

Hashimoto und Beziehung

Ich bin Single, weil ich Angst vor Nähe habe. In den Hochphasen meiner Krankheit lebte ich wie eine Einsiedlerin. Ich ließ niemanden an mich heran, machte alles mit mir selbst aus.
Mich strengten zu enge Beziehungen und Kontakte sehr an. Ich brauchte meine Rückzugsmöglichkeit. Ich mußte erst einmal selbst begreifen, was mit mir und meinem Körper los war.
Natürlich gab es Kontakte zu Menschen. Ich fand es aber sehr schwierig, mich zu outen. Meine Krankheit für andere begreiflich zu machen.
Äußerlich sieht man mir die Krankheit nicht an. Das macht das Verstehen für die anderen umso schwieriger.
Richtig kompliziert wurde es dann, als ich mich wieder verliebt hatte. Wie und Wann sage ich es dem Betreffenden? Ich hatte mich dafür entschieden, relativ bald die Wahrheit zu sagen. Aber was sollte ich sagen, wie sollte ich es begreiflich machen? Ich habe es versucht. Der Versuch ist gescheitert. Trotzdem bin ich der Meinung, daß ich zu der Krankheit stehen muß.
Inzwischen gehe selbstbewußter damit um. Wer mit mir in Beziehung tritt, muß auch meine Krankheit akzeptieren. Sie ist ein Teil von mir.

Hashimoto und Perfektion

Ich bin eine Perfektionistin! Perfektionisten können nicht glücklich sein! Da ist etwas Wahres dran. Mein Streben nach Vollendung hat mit Sicherheit den Ausbruch meiner Krankheit begünstigt. Ich wollte überall die Beste und Erste sein. Dazu mußte ich sehr viel leisten, um dieses Ziel zu erreichen. Letztendlich blieb ich oft hinter meinen eigenen Ansprüchen zurück, weil mein Körper mir nicht gehorchte. Er versagte den Dienst. Dadurch mußte ich lernen, loszulassen. Auch heute noch finde ich es sehr schwierig, positiv zu denken, an mich zu glauben. Aber wenn ich meine Gefühle nicht nach außen bringe, richten sie sich gegen mich selbst. Das will ich nicht mehr. Geholfen hat mir dabei die Selbsthypnose. Die Hypnose beeinflußt mein Unterbewußtsein und hilft mir dabei, mich selbst zu finden und zu mir zu stehen.

Hashimoto und Streß

Wie für jede andere Krankheit gilt auch für Hashimoto: Streß ist „tödlich“. Aber wie baue ich Streß ab? Sport kann ich nicht treiben, dazu reichen meine Kräfte nicht aus. Spazieren gehen kann ich aber. Morgens höre ich immer meine Kassette mit der Hypnose. Das entspannt.

Hashimoto und das Gewicht

Ein großes Thema in meinem Leben ist mein Gewicht. In guten Zeiten wog ich bei einer Größe von 1,73 m 54 kg. Heute kann ich davon nur träumen. Ich versuchte jede Diät. Nichts half. Ich nahm immer noch zu. Außerdem torpedierte mein Körper fast jede Diät, da ich Gemüse und Obst nur sehr begrenzt und gekocht vertrage.
Heute kümmere ich mich nicht mehr um mein Essen. Denn Essen hat viel mit Kontrolle zu tun und ich möchte loslassen. Ich esse, was mir Spaß macht.

Hashimoto und Ödeme

Seit geraumer Zeit nehme ich an meinem Körper Beulen war, sogenannte Ödeme (Wassereinlagerungen in der Haut, Orangenhaut). Ungeheuer schmückend. Leider gibt es dagegen keine wirksame Hilfe, laut Ärzte und Heilpraktiker.
Aber anstatt mich darüber aufzuregen, habe ich auch das akzeptiert. Es lebt sich einfach besser, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin.

Gelenkschmerzen

Mir schliefen die Hände ein. Manchmal hatte ich das Gefühl, daß meine Füße mein Gewicht nicht mehr tragen konnten. Sie schienen mir einfach weg zu knicken. Das Schreiben mit Füller fiel mir schwer. Zum Glück gibt es ja heute Computer. Nachts wachte ich auf, weil ich Wadenkrämpfe bekam.

Phasen der Krankheit

Ich habe für mich festgestellt, daß es mehrere Phasen der Krankheit gibt. Zunächst einmal macht sich mein Körper unangenehm bemerkbar, indem er nicht mehr so funktioniert, wie er soll. Ich habe das lange ignoriert. Bis die Anzeichen überdeutlich wurden. Als es mir dann gelungen war, nach einer langen Odyssee meiner Krankheit einen Namen zu geben, begann die Euphorie. Jetzt wird alles wieder gut! Nach ersten Rückschlägen begann ich alles über die Krankheit zu lesen. Ich sog alles in mich auf. Leider fand ich das Allheilmittel nicht. Ich verfiel in eine depressive Phase. Mir war alles egal. Irgendwann habe ich dann begonnen, mich mit der Krankheit zu arrangieren. Denn ich habe gelernt, daß die Krankheit auch eine Art Schutz für mich war, weil ich nicht Nein sagen konnte. Die Krankheit hat mir gezeigt, daß ich nicht so weiter machen konnte wie früher. Ich habe gelernt, meine Ressourcen besser einzusetzen. Seitdem geht es mir besser. Aber der Kampf hört nie auf. Ich nehme ihn aber jetzt an und versuche Hashimoto mit Humor und positivem Denken zu begegnen.


Heute bin ich gesund. Im Job bin ich erfolgreich. Seitdem ich gelernt habe, mich selbst zu lieben und zu akzeptieren, bin ich glücklich. Geholfen haben mir dabei die Bücher von Louise L. Hay, nach deren Methode ich auch arbeitete.

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